Anlaufstelle im medizinischen Notfall
Markus S.* gibt an jenem Samstagnachmittag am Handballturnier alles. Als er nach einem Wurf auf das Tor unglücklich landet, spürt er sofort einen stechenden Schmerz im Knie und lässt sich verletzt auswechseln. Das Gelenk schwillt stark an, jeder Schritt tut weh. Zunächst denkt der Hobbysportler, es sei nur eine Prellung. Er kühlt das Knie, schont es und wartet ab. Am Montag würde er seine Hausärztin aufsuchen, denkt er. Doch im Laufe des Abends verschlimmern sich die Beschwerden: Das Bein schmerzt, Treppensteigen ist kaum möglich, an Schlafen ist nicht zu denken. Sofortige Hilfe ist notwendig - doch wo bekommt er diese zu später Stunde?
So wie Markus S. geht es vielen. Sei es Fieber, Rückenschmerzen oder eine Sportverletzung – ausgerechnet, wenn die Hausarztpraxis geschlossen ist, verstärken sich die Beschwerden. In solchen Situationen ist eine der Notfallstationen des Kantonsspitals Baselland (KSBL) die ideale Anlaufstelle. Markus S. macht sich also auf den Weg ins Bruderholzspital. Nach der Anmeldung an der Notfallporte erfolgt die Erstbeurteilung, die sogenannte Triage. Dabei beurteilt das medizinische Fachpersonal nicht nur die Art der Beschwerden, sondern auch deren Dringlichkeit. So wird sichergestellt, dass jede Patientin und jeder Patient genau die Behandlung erhält, die in diesem Moment notwendig ist – vom lebensbedrohlichen Notfall bis zur leichteren Verletzung.
Behandlung nach Dringlichkeit
Die Reihenfolge der Behandlung von Patientinnen und Patienten richtet sich nach der Schwere der Verletzung oder Erkrankung. Es wird unterschieden zwischen «sofort», «sehr dringend», «dringend», «weniger dringend » und «nicht dringend». «Entscheidend ist nicht, wer zuerst da war, sondern wer zuerst Hilfe benötigt», erklärt Dr. med. Nicolas Geigy, Chefarzt Notfallzentrum. «Schwer erkrankte oder schwer verletzte Personen oder Notfälle, die per Rettungsdienst eintreten, haben Vorrang», so Geigy weiter. Deshalb kommt es regelmässig vor, dass jemand bevorzugt behandelt wird, obwohl andere zuerst da waren. Der Herzinfarkt wird also vor dem Hexenschuss medizinisch versorgt. Letzterer ist zwar schmerzhaft, aber nicht lebensbedrohlich. Auch das Abwarten von Ergebnissen kann dauern und den Aufenthalt auf der Notfallstation verlängern. Die Diagnoseverfahren, die für die Beurteilung eines Leidens notwendig sind (z.B. Labor, Röntgen), benötigen ebenfalls Zeit. Möglicherweise wird für eine optimale Behandlung auch eine Spezialistin oder ein Spezialist aus dem Ärzteteam konsultiert.
«Entscheidend ist nicht, wer zuerst da war,
sondern wer zuerst Hilfe benötigt.
Bei Markus S. zeigt die Untersuchung schnell, dass sein Knie ernsthafter verletzt ist als zunächst angenommen. Ein MRI im Verlauf der nächsten Tage ist notwendig, um eine genaue Diagnose zu stellen. Danach erfolgt die Weiterbehandlung durch das Team der Universitären Klinik Orthopädie & Traumatologie. Er verlässt den Notfall vorerst mit einer Schiene sowie Gehstöcken und einem Termin für die Radiologie des KSBL. Wenige Tage später bespricht der nachbehandelnde Facharzt für Orthopädie in der Kniesprechstunde die Diagnose und zeigt die Therapiemöglichkeiten auf. Inzwischen ist Markus S. genesen und trainiert wieder regelmässig mit seiner Handballmannschaft für das nächste Turnier.
Wenn die Hausarztpraxis geschlossen ist
Für akute, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden befindet sich in Liestal und am Standort Bruderholz zusätzlich eine Hausärztliche Notfallpraxis (HNP). Dort kümmern sich Hausärztinnen und Hausärzte aus der Region ausserhalb der regulären Praxisöffnungszeiten (abends, an Wochenenden und an Feiertagen) um leichtere gesundheitliche Probleme wie grippale Infekte, Blasenentzündungen, Verstauchungen oder kleinere Wunden. Diese Praxen betreibt das KSBL in Zusammenarbeit mit der Ärztegesellschaft Baselland. Sie ergänzen das Angebot der Notfallzentren und richten sich an Patientinnen und Patienten mit Beschwerden, die normalerweise in der Hausarztpraxis behandelt würden. Die Erstbeurteilung erfolgt in jedem Fall durch das medizinische Personal des KSBL, welches die Patientinnen und Patienten danach entweder ins eigene Notfallzentrum oder in die HNP überweist.
* Name geändert
Notfallzentrum Kantonsspital Baselland
Liestal, Bruderholz und Laufen
Wenn Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt im medizinischen Notfall nicht erreichbar ist oder sich Ihr Leiden ausserhalb der Praxiszeiten verschlimmert, sind wir für Sie da. Rund um die Uhr.
So funktioniert es:
- Anmeldung an der Notfallpforte
- Erstbeurteilung (Triage) durch Fachpersonal
- Zuweisung ins Notfallzentrum oder in die Hausärztliche Notfallpraxis
Dieser Beitrag ist im März 2026 im Magazin Regio aktuell erschienen.