Zusätzliche Verstärkung für die Frauenklinik Baselland: Dritte Fachärztin wechselt vom Claraspital zum KSBL
Dr. med. Pachuen Landwehr ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe mit Schwerpunkt operative Gynäkologie und Geburtshilfe sowie das Deutsche Äquivalent des Schwerpunkts gynäkologische Onkologie. Als Leitende Ärztin verfügt sie über eine langjährige Erfahrung in der operativen Behandlung gynäkologischer Tumorerkrankungen. Die drei Spezialist/-innen bringen umfangreiche Expertise in der gynäkologischen Onkologie, operativen Gynäkologie sowie Brustchirurgie mit und stärken damit das Angebot für Patientinnen in der Region sowie die Zusammenarbeit mit Zuweisenden. Im Kurzinterview geben sie Einblicke in ihre Schwerpunkte und erklären, wann eine Zuweisung ans KSBL besonders sinnvoll ist.
Dr. med. Rosanna Zanetti-Dällenbach
Frau Zanetti, welchen Schwerpunkt bringen Sie an die Frauenklinik des KSBL mit?
Operative Gynäkologie und Geburtshilfe, gynäkologische Onkologie und Senologie
Bei welchen Fragestellungen sollten unsere zuweisenden Gynäkologinnen und Gynäkologen besonders früh an eine Überweisung denken?
Bei allen malignen Erkrankungen der Frau sowie bei Befunden mit unklarer Dignität sollte frühzeitig an eine Überweisung gedacht werden. In diesen Fällen sind wir besonders bemüht, zeitnah einen Konsultationstermin zu ermöglichen, da uns bewusst ist, wie belastend die Situation für die betroffene Frau oft ist.
Was ist Ihnen in der Betreuung von Patientinnen mit gynäkologischen Tumorerkrankungen besonders wichtig?
Eine rasche Diagnostik wird von unseren Patientinnen sehr geschätzt. Im Falle eines Malignoms wird jede Patientin an der interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen und eine gemeinsam abgestimmte Therapie nach international anerkannten Standards empfohlen. Diese Therapieempfehlung wird der Patientin sowie ihrer Bezugsperson, resp. ihrer Familie ausführlich erläutert, um dann gemeinsam eine fundierte Entscheidung zu treffen. Eine empathische und einfühlsame Betreuung - von der Diagnostik bis zum Abschluss der Therapie - ist uns ein grosses Anliegen. Am KSBL profitieren die Patientinnen von einer professionellen und engen Zusammenarbeit aller beteiligten Spezialistinnen und Spezialisten.
Wie gestalten Sie die Zusammenarbeit mit Zuweisenden?
Die zuweisenden Kollegen und Kolleginnen werden zeitnah über die diagnostischen Resultate und therapeutische Schritte informiert. Die Tumornachsorge und gegebenenfalls auch Verlaufskontrollen führen wir gerne in enger Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten durch und richten uns dabei nach deren Bedürfnisse. Wir legen grossen Wert auf eine gute Erreichbarkeit der zuständigen Kaderärztinnen und -ärzte und freuen uns über einen engen Austausch – nicht nur bei konkreten Fragen und Unklarheiten.
Kurz: Gemeinsam mit Brigitte Frey und den Kolleginnen und Kollegen der Frauenklinik des KSBL freue ich mich auf eine kollegiale und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
med. pract. Roberto Rodriguez
Herr Rodriguez , was zeichnet eine moderne Betreuung von Patientinnen Patienten mit Brustkrebs aus?
Die Behandlung von Brustkrebs erfolgt heute individualisierter und wird an die Tumorbiologie und die Bedürfnisse der Patientin bzw. des Patienten angepasst. Dies ermöglicht eine Deeskalation der onkologischen Therapie, wodurch eine Überbehandlung vermieden wird und sich letztendlich die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessert.
Welche Rolle spielt das Brustzentrum Baselland für die Versorgung in der Region?
Mit dem Ausbau des Brustzentrums Baselland erhalten Brustkrebspatientinnen und -patienten aus der Region eine umfassende, multidisziplinäre Behandlung an einem Zentrum durch erfahrenes Fachpersonal. Dazu gehören unter anderem onkologische und chirurgische Behandlungen, Komplementärmedizin, Physiotherapie und Psychotherapie.
Welche Patientinnen und Patienten profitieren besonders von einer Zuweisung ans KSBL?
Davon profitieren vor allem Patientinnen und Patienten, die einen raschen Diagnoseprozess, die Möglichkeit einer Operation unabhängig von deren Komplexität, eine onkologische Behandlung basierend auf modernsten Therapien und insbesondere eine Behandlung ihrer Brustkrebserkrankung auch unter Berücksichtigung der menschlichen Aspekte mit voller Empathie gegenüber der Patientin bzw. des Patienten suchen.
Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit mit Zuweisenden wichtig?
Es ist sehr wichtig, dass die zuweisenden Ärzte und Ärztinnen mit unserer Betreuung der Patientin und des Patienten zufrieden sind, wobei wir der Patientin und dem Patienten einen hohen Standard an Dienstleistungsqualität bieten. Dazu ist es wichtig, dass in der Sprechstunde, in der Radiologie und auch für Operationen baldige Termine verfügbar sind. Ebenso ist eine reibungslose und professionelle Kommunikation mit ihnen von zentraler Bedeutung, da sie eine wesentliche Rolle bei der Diagnose und Nachsorge der Patientinnen und der Patienten spielen.
Welche besonderen Stärken oder Merkmale machen Ihre Brustchirurgie in der Region einzigartig?
Dank meiner Ausbildung in onkoplastischer Chirurgie und Brustrekonstruktion können Patientinnen davon profitieren, dass die Brust wann immer möglich erhalten bleibt, wobei sowohl ein gutes onkologisches als auch ein ästhetisches Ergebnis gewährleistet wird. Der Einsatz der intraoperativen Sonographie vermeidet zudem unangenehme präoperative Markierungen der Tumoren bei der Patientin und verkürzt zudem die Operationszeit enorm und die Notwendigkeit von zweiten Operationen.
Dr. med. Pachuen Landwehr
Frau Landwehr, welche Schwerpunkte setzen Sie in der operativen Gynäkologie?
Operative Schwerpunkte in der Gynäkologie umfassen sowohl die Behandlung allgemeiner gynäkologischer als auch spezialisierter operativer Therapien gynäkologischer Tumorerkrankungen. Im Bereich der allgemeinen Gynäkologie liegt mein Fokus auf der Durchführung minimal-invasiver Eingriffe sowohl klassischer laparoskopischer Verfahren als auch roboterassistierter Chirurgie als auch offener Operationen bei benignen Erkrankungen. Dazu gehören insbesondere Eingriffe bei Myomen, Endometriose und Ovarialzysten sowie die operative Abklärung chronischer Unterbauchschmerzen und Kinderwunsch. Ein besonderes Anliegen ist mir dabei die Anwendung schonender, evidenzbasierter Verfahren mit dem Ziel einer raschen Rekonvaleszenz bei bestmöglicher Lebensqualität der Patientinnen.
Im Bereich der gynäkologischen Onkologie konzentriere ich mich auf die operative Behandlung maligner Erkrankungen wie des Ovarial-, Endometrium-, Vulva- und Zervixkarzinoms. Mein Spektrum umfasst sowohl stadiengerechte Primäroperationen als auch komplexe Intervall-Tumorresektionen sowie beim Tumorrezidiv. Einen interdisziplinären Ansatz in enger Zusammenarbeit mit Viszeralchirurgie, Urologie, Onkologie, Radiologie und Strahlentherapie erachte ich als essenziell, um eine leitliniengerechte und individualisierte Therapie sicherzustellen.
Welche Entwicklungen in der gynäkologischen Chirurgie sind aktuell besonders relevant für Patientinnen?
Aktuell gibt es mehrere Entwicklungen in der gynäkologischen Chirurgie, die einen direkten Patientinnen-Nutzen haben insbesondere im Hinblick auf Sicherheit, Schonung und schnellere Erholung. Ein wesentlicher Fortschritt ist die konsequente Weiterentwicklung der minimalinvasiven Chirurgie, einschliesslich roboterassistierter Verfahren. Diese ermöglichen präzisere Operationen bei gleichzeitig geringerer Gewebetraumatisierung, dadurch weniger Schmerzen sowie eine schnellere Rückkehr in den Alltag. Im Bereich der robotischen Chirurgie zeigen aktuelle Entwicklungen Vorteile insbesondere bei komplexen Eingriffen sowie bei Patientinnen mit erhöhtem Risiko, z. B. Adipositas. Hier können geringere Konversionsraten, weniger Blutverlust und präzisere Lymphknotendetektion erreicht werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die zunehmende Individualisierung der Therapie. Chirurgische Strategien werden heute stärker an Tumorbiologie, Stadien und Patientinnen-Faktoren angepasst, wodurch Übertherapie vermieden und die Lebensqualität verbessert werden kann. Zukünftig gewinnen zudem technologische Innovationen wie bildgeführte Chirurgie, ICG-Fluoreszenzverfahren und perspektivisch auch künstliche Intelligenz an Bedeutung, um die intraoperative Präzision weiter zu erhöhen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die aktuellen Entwicklungen vor allem darauf abzielen, onkologische Sicherheit mit maximaler Schonung zu verbinden und den Patientinnen schnellere Erholung sowie bessere Lebensqualität zu ermöglichen. Mein Ziel ist es dabei stets, für jede Patientin ein individuell angepasstes operatives Vorgehen zu wählen, das sowohl onkologischen als auch funktionellen Aspekten gerecht wird und eine optimale Balance zwischen Therapieeffektivität und Lebensqualität ermöglicht.
In welchen Situationen ist eine Überweisung ans KSBL besonders sinnvoll?
Ein verantwortungsvolles Spital versteht sich als Sparringspartner des Zuweisenden und begleitet seine Therapie mittels spezialisierten Wissens und im Spital vorhandenen Möglichkeiten. Wie bspw. alle notwendigen interdisziplinären Bereiche (Chirurgie, Anästhesie etc.) und Technik, die dem Zuweisenden in seiner Praxis naturgemäss nicht zur Verfügung stehen kann. In enger Abstimmung begleiten wir als verlängerter Arm des Zuweisenden gemeinsam die Patientinnen bis zur Genesung, um sie sodann zurück in dessen fachkundige Obhut zu übergeben.
Wie bleiben Zuweisende während der Behandlung ihrer Patientinnen eingebunden?
Bei Abschluss der Spital-Behandlung erhält der oder die Zuweisende selbstverständlich den standardmässigen OP- und Austrittsbericht. Hat der oder die Zuweisende während des Spital-Aufenthalts seiner Patientin Fragen, ist ein Erreichen des behandelnden Arztes per E-Mail oder Telefon für mich jederzeit selbstverständlich. In aussergewöhnlichen, nicht dem Standard entsprechenden Fällen, werden sie proaktiv kontaktiert.